Veröffentlichung des Artikels am 01..02.2003 auf www.deepsky.de

Optimierung des Celestron C 8

 

Jeder SC Besitzer kennt es: Ist dass Rohr nicht ausgekühlt, sind keine höheren Vergrößerungen machbar. Im Extremfall liegen die Kühlzeiten bei 5 Stunden und mehr, je nach Größe des Geräts.. Übertrieben gesagt heißt dass für den Operator, dass er sein Rohr am Dienstag rausstellen muss, wenn er Mittwoch spechteln möchten.

Bedingt durch die Konstruktion "weigert" sich ein SC schnell auszukühlen. Ist die Schmidtplatte oben beim Kühlprozess, steigt die Warme Luft unter die Schmidtplatte und muss sich dann langsam durch diese durcharbeiten. "Dann dreh´ dass Rohr doch um," sagte da jemand. Dann könne die Luft doch da raus, wo das Okular sonst steckt. Könnte sie - tut sie aber nicht. Die Warmluft steht nun unter dem Deckel. Dass weit in dass Teleskop ragende Blendrohr verhindert den Luftaustausch. Also bleibt dem SC nichts anderes übrig, als die Temperaturangleichung über seine Außenflächen zu bewerkstelligen.

Dieses Manko sollte nun beseitigt werden. Gleichzeitig sollten die Innenflächen gemäß dem Grundsatz "schwarz, schwärzer, am schwärzesten" bearbeitet werden. Einige Leute behaupten, die Schwärzung des Blendrohres wäre ausreichend. Ich sehe das etwas anders. So trägt die Veloursfolie im Haupttubus nicht nur zur Streulichtunterdrückung bei, sie dient vielmehr gleichzeitig Tubusisolierung. Denn nach der "Zwangsbeatmung" ist der Wärmeaustausch über den Tubus nicht mehr erwünscht.

Dazu muss dass C8 zerlegt werden:

Zunächst einmal markiert man

z.B. mittels Klebestreifen die Position der Schmidtplatte.

Dieses ist unbedingt notwendig, da die Platte nicht

rotationskollimiert ist und genauso wieder

eingebaut werden muss.

 

 

Anschließend wird dass C8 mit der Frontplatte nach oben gestellt. Nun werden die Schrauben vom Haltering der Schmidtplatte entfernt und NUR der Kunststoffring abgenommen.

 

Zwischen der Schmidtplatte und ihrer Halterung werden nun an einigen Stellen Korkplättchen sichtbar.

Es muss genau festgehalten werden, an welche Stelle wie viele Plättchen gehören.

Danach kann die Schmidtplatte entnommen und staubdicht an einem sicheren Ort verwahrt werden

 

 

 

 

Jetzt wird die Hauptspiegelzelle entfernt.

Dazu werden - nach Entfernung einer evtl. vorhandenen Prismenschiene - die Schrauben an der Spiegelzelle entfernt.

Dabei die Muttern im Inneren festhalten, damit der Hauptspiegel nicht beschädigt wird. Am besten Handschuhe tragen.

Nun kann die Spiegelzelle abgezogen werden. Analog dazu, wird durch das entfernen der  vorderen Schrauben der Vorderring vom Tubus gelöst.

 

 

 

Nun kann die Spiegelzelle zerlegt werden.

Dazu wird der Fokussierknopf abgeschraubt und die kleine Platte am Gehäuse entfernt.

Der auf der Gewindestange sitzende Sprengring, der als Anschlag dient, wird entfernt.

Jetzt kann die Lagerhülse abgeschraubt werden.

Wenden wir uns nun der anderen Seite zu.

 

 

 

 

In der Mitte des Blendrohres befindet sich ein Sprengring auf dem selbigen. Dieser wird zuerst entfernt.

Direkt auf dem Hauptspiegel befindet sich die links gezeigte Ringmutter. Diese wird abgeschraubt und mit dem darunter liegenden Korkring entfernt.

Nun kann der Hauptspiegel am hinteren Teil des Blendrohres nach vorne herausgezogen und an einem sicheren Ort staubdicht verwahrt werden.

Auch dabei trägt man am besten Handschuhe.

 

 

 

Nun kann tapeziert werden. Es kommt die schon oft beschriebene D-C-Fix Veloursfolie zu Einsatz. Die Folie sollte sehr gut entfusselt werden. Dazu legt man ein Stück auf einen harten Untergrund und beklebt die Veloursseite mit einem gut klebenden Paketklebeband. Anschließend bürstet man mit einer Nagelbürste über die Folie. Die so "einmassierten" Fusseln können dann leicht abgezogen werden. Dieser Vorgang ist ggf. mehrmals zu wiederholen.

 

Der Tubus kann innen vollständig beklebt werden, da Ring und Spiegelzelle außen anliegen.

Auf den Bau eines Innentubus habe ich verzichtet und die Folie direkt aufgeklebt. Diese kann aber jederzeit wieder mittels Fön entfernt werden.

 

 

 

 

 

Ebenso wurde die Fangspiegelhalterung innen und außen beklebt.

 

 

 

 

 

 

 

Auch das Blendrohr wird innen tapeziert. Wenn man einen Reducer nutzt oder mal nutzen will, sollte man ca. 1/5 des hinteren Endes untapeziert lassen.

Das Blendrohr darf aber erst nach den mechanischen Bearbeitungen beklebt werden, sonst bleiben Späne im Velours hängen.

 

 

 

 

Nun muss die Spiegelzelle bearbeitet werden. Zum Einbau kommen zwei 40mm Highspeed Lüfter von Conrad (10mm stark). Des weiteren werden Buchsen zur Stromversorgung benötigt. Ich habe 2 vergoldete Chinch Buchsen verbaut, die parallel geschaltet wurden. So kann am Gerät später noch ein weiteres angeschlossen werden. Auf den Einbau einer Lüftersteuerung habe ich verzichtet, da mein Powerpack einen einstellbaren Ausgang hat. Wer direkt am Gerät die Lüfter steuern möchte, schaltet ein Potentiometer (100k Ohm; 10W) in Reihe zu den Lüftern und baut es mit ein - Platz ist genug.

Die Lüfter werden so eingebaut, dass einer saugt und einer bläst. Damit möglichst reine Luft angesaugt wird, muss noch ein Filter her. Die bei manchen anderen Umbauten verwendeten Filterkassetten bekommt man für 40mm Lüfter leider nur beim Hersteller. Dieser verlangte pro Stück 25 Euro plus 25 Euro Mindermengenzuschlag - da hab ich ihm den "Götz" zitiert.

Bei mir kommen feine Edelstahlgaze - besten Dank an Wolfgang Höhle - zum Einsatz. Wer die nicht bekommt kann aber ebenso gut feinste Insektengaze aus Kunststoff verwenden. Diese werden zwischen Lüfter und Gehäuse geklemmt.

 

Dass schlimmste ist jetzt vorbei. Es folgt dass Einbauen der Lüfter, anschließend kann dass Blendrohr tapeziert werden. Wer möchte kann auch noch einen Griff anbringen, die Baumärkte bieten da eine ganze Menge an.

Wer sich nicht an die Bohrungen traut, dem biete ich leihweise eine Schablone für das Celestron C8 an.

Ein Blick in den fertigen Tubus.

Es folgt der Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge.

 

Die Schmidtplatte trägt i. d . R. eine Markierung.

Diese soll - beim Blick von vorne - genau in 3 Uhr

Position stehen.

Die Korkplättchen nicht vergessen!!!!

 

 

 

Hier sieht man nun dass fertige C 8. Nebenbei wurde auch noch das geringe Spiegelshifting beseitigt. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Einen die Verwendung von Punktlagern, d. h. durch Anbringung von Körnerschlägen oder Nylonschrauben im Winkel von 120 Grad auf dem Gleitrohr (jeweils vorne und hinten). Die zweite Variante ist eine Gleitlagerung. Ich habe mich für die Letztere entschieden. Dabei wird das innere des Gleitrohres mit Klüberpaste (Klüberpaste 46 MR 401 von Conrad) dünn gefettet - jeweils ca. 8 cm vor dem Rand aufhören, das Fett verteilt sich selbst

. Es handelt sich um eine sehr gering ausgasende Langzeitschmierpaste von der Konsistenz her ähnlich einer "dickeren" Handcreme. Durch die träge Viskosität des Fettes wird das Spiegelshifting wirksam verhindert. Da die Paste rund um das Rohr verteilt ist, wirkt sie wie ein allseitiges Lager. Durch den geringen Spalt zwischen den Rohren und die Trägheit der Paste gibt es kein Shifting, da das Rohr den Weg des geringsten Widerstandes geht. Auf die Leichtgängigkeit des Fokussierers hat die Paste keinen merklichen Einfluss.

Viel Spaß beim basteln!!!!!!!!!!!!

Nachtrag im Rahmen der Fettdiskussion (Hallo Blueworm):
Auf Anfrage bei der Firma Klüber wurde mir bezüglich des o.g. Fettes versichert, dass es unterhalb von 80°C zu keinen Ausgasungen kommt. Auch oberhalb dieser Temperatur gibt es keine schädlichen Auswirkungen auf die Optik.